Wanderung zum Rhonberg – oder das „Es ist nicht mehr weit“-Trauma

Guten Tag ihr Lieben,

frisch gefrühstückt und ausgeruht vom gestrigen Tag melde ich mich heute zu Wort. Wir haben uns nämlich an unsere erste „Gipfelbesteigung“ gewagt. „Gipfelbesteigung“ deshalb in „“, da es mit 1257m eigentlich nur ein größerer Erdhügel war, aber für einen Rheinländer, wie mein Lebensgefährte einer ist, war das schon ein Berg *lol*In größtem Regen und Sturm (wahrscheinlich die Ausläufer aus NRW) sind wir hier los in Richtung Schliersee. Meine Wetterapp und diverse andere Internetseiten versprachen ab 11 Uhr schönes Wetter und darauf hab ich auch vertraut. Der Schliersee ist eine gute Stunde mit dem Auto von uns entfernt (45km über Landstraße) und so fuhren wir vom Regen in das schöne Wetter hinein. Am Bahnhof haben wir unser Auto abgestellt (4,- für das Tagesticket) und unsere sieben Sachen geschultert (bei mir durchaus etwas mehr, da ich natürlich die komplette Ausrüstung wie Stativ, Objektive, Filter, Regenzeug, Insektenschutz, etc. dabei hatte. Ich muss den Rucksack echt mal wiegen, wenn der voll beladen ist) und das GPS angeschmissen, auf das ich mir aus dem Internet einen Track für die Route draufgezogen habe.

Der blaue Weg ist der Originalweg aus dem Internt. Der Magentafarbene ist der Weg den wir gegangen sind. Leider ist mir nach dem Austausch der Batterien wohl kurz das Tracking ausgefallen, so dass ihr da nur einen langen geraden Strich seht. Ihr könnt euch aber bis zur Stögeralm an der blauen Linie orientieren. Ich denke, dass wir ca. 4 Stunden hoch und runter gebraucht haben (mit Pausen .. oh ja .. die Pausen ^^), da leider mein GPS track 23h im Garmin anzeigt (ich weiß Herrschaftszeiten nicht warum) kann ich keine genaue Angabe dazu machen. =/

Kurz zu unserem Fitnesslevel: Eigentlich gar nicht vorhanden. Wir haben das letzte mal vor 4 Jahren aktiv Sport getrieben und haben ansonsten nur Spaziergänge zur Eisdiele *hüstel*, kleinere Spaziergänge um den Egglsee und am Chiemsee und unsere Bewegung auf der Arbeit, was man als „Aktivität“ bezeichnen kann. Unsere große Stunde schlägt, sobald man durch VR-Spiele oder VR-Sport im sitzen tatsächlich die Kalorien verbrennt, die man „wegspielt“ ^^
Das haben wir allerdings auch sofort zu spüren bekommen. Wir sind vom Ortskern also Richtung Seilbahn gelaufen um von dort dann den „Aufstieg“ zu beginnen. Hier wurde ich dann zum ersten Mal böse von der Seite angefunkelt. Es ging durchaus etwas steiler hinauf als ich vermutet hatte und hier mussten wir durchaus schon gefühlte 10 Verschnaufpausen halten damit wir überhaupt bis zur Schliersbergalm kamen. Ich beruhigte meinen Lebensgefährten immer mit „So steil wirds dann gleich nicht mehr“ oder „na komm… du willst doch Stolz auf dich sein am Ende des Tages“. Dass er mich nicht irgendwo runter geschubbst hat, war eigentlich schon das größte Lob, welches ich bekommen konnte.

Zu meiner Verteidigung: Ich habe mir den Weg über eine Internetseite rausgesucht:
Bergtour-Online. Hier kann man sich die Routen anschauen, nach Schwierigkeitsgrad, Rundtouren, Klettertouren, etc sortieren, GPS Koordinaten und Route sind runterladbar und man bekommt Hinweise ob sie mit Kinderwagen etc. befahrbar ist oder welches Ausrüstungs- und Fitnesslevel man haben sollte. Da stand EINFACH mit mäßigem Fitnesslevel gut schaffbar und für Familien geeignet.

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Während mein Freund auf höhe der Alm kurz verschnaufen konnte ging ich fix einen kleinen Geocache fangen, den ich mir zurechtgelegt hatte. (Ich hatte mir eigentlich mehrere zurechtgelegt, aber da ich schon froh war meinen Freund, zwar meckernd wie eine Gewitterziege, den Hügel rauf und wieder runter zu bekommen, wollte ich das nicht ausreizen und da querfeldein in die Wälder schießen und ihn immer zum Warten zwingen.)

Wir folgtem dem Weg hinauf, den uns das GPS anwies und an jeder Weggabelung funktelte es mich böse an.
Ihr kennt das bestimmt aus manchen Filmen, wenn der Protagonist vor einer Weggabelung steht: Auf der einen Seite Sonnenschein, Vogelgezwitscher, sanfte Musik. Auf der anderen Seite: Finsternis, Nebelschwaden, nach Tod riechende Luft, Zombiearme. Der Protagonist geht natürlich immer den zweiten Weg.
So in etwa muss sich das gestern für meinen Freund angefühlt haben.
Über Wurzeltreppen, Geröll und Baumstümpfe sind wir immer weiter gen Gipfel gekraxelt. Immer wieder sagend „das steilste Stück haben wir jetzt hinter uns“ oder „So weit ist es jetzt nicht mehr“. Irgendwann hat mein Freund einen Ast gefunden an den er sich hochziehen konnte (oder ihn mir zu gegebener Zeit drüberziehen konnte) und an den klammerte er sich auch bis wir wieder unten waren.
Als wir dann irgendwann wirklich kurz vorm Gipfel waren … JA wirklich … und sich vor uns ein weiteres Stück in einer mindestens 45 Grad Steigung über Wurzeln und Geröll auftat,  habe ich in einer weiteren Diskussion erwähnt, dass wir ja am Gipfelkreuz ein Selfie von uns machen können. DAS hätte ich besser verschwiegen. Nicht das mit dem Selfie, sondern, dass da oben wirklich nur ein Gipfelkreuz und sonst nix steht ^^. Gut dass ich weit genug weg stand und meinem Freund die Kraft ausgegangen ist.

Nassgeschwitzt, keuchend und dem 4. Herzinfarkt nahe kamen wir endlich oben an. Zumindest ich… Schatzilein stolperte nach 5 Minuten hinter mir her.

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Da war es … unser erstes Gipfelkreuz, welches wir mit eigenen Kräften erstiegen haben.
Wir waren zwar schon auf der Kampenwand, aber da gibts ja eine wunderbare Gondelbahn ^^

Also hielten wir erstmal Brotzeit und ruhten uns ein bisschen aus, damit wir auch den Abstieg sicher meistern konnten. Während unserer Jause kam eine Familiengruppe mit einem ca. 6-8 jährigen kleinen Bub ebenfalls am Gipfelkreuz an. Wie wir erfahren hatten, kamen die auch aus Richtung Alm hinauf, die sahen allerdings nicht halb so zerstört aus wie wir. Die erzählten dazu auch noch, dass sie als nächstes auf den Wendelstein gehen würden. Der Wendelstein ist der Nachbarberg und war von einer kleinen Lichtung aus echt gut zu sehen, sogar mit Observatorium.

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Das ist auf diesem Handyfoto natürlich nicht so gut zu erkennen. Aber ich denke wenn ich mein Tele auf die Kamera geschraubt hätte, hätte man gut was sehen können. Ich brauch echt mal nen zweiten Kamerabody -.-

Also machten wir uns an den Abstieg. Dieser, wie sollte es auch anders sein, verlief über Wurzeln, Steine, Geröll und war nicht wirklich angenehmer wieder Aufstieg.
Motiviert (also zumindest ich) von diesem vorherigen Erfolgserlebnis zogen wir tapfer weiter. Die eine oder andere Wandergruppe kam uns entgegen, die gerade auf dem Weg nach oben waren und auch diese sahen bei weitem nicht so kaputt aus wie wir.

Na erkennt ihr, warum die Baumwurzel uns so fasziniert hat. Es war nicht nur die beeindruckende Größe dieses Wurzeltellers die ich auf gute 2,50m schätzen würde.

Unser Abstieg führte uns weiter durch den Forst und wir kamen in ein Gebiet wo durchaus aufgeforstet worden ist und wir uns unseren Weg ein bisschen selbst suchen mussten. Endlich sahen wir ein Gatter. Da ging es raus.
Durch das Drehkreuz kamen wir auf eine wunderbare, riesengroße Wildblumenwiese auf der wir auch erstmal verschnauften und unsere Sachen in der warmen Sonne getrocknet haben (nicht das wir geschwitzt hätten oder so… nur minimal…. ganz .. minimal… ^^)

Von hier oben hatte man einen herrlichen Ausblick auf den Schliersee, man musste sich nur etwas vor den Bienen in Acht nehmen, da hier oben auch ein großer Bienenstock stand. Aber die flogen eifrig rein und raus und kümmerten sich gar nicht um uns.

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Bei dem Bild habe ich leider total die Einstellungen verkackt, was ich aber zu spät gesehen habe. Ich hab nämlich noch den Iso auf 800 gehabt, deswegen ist das Bild durchaus rauschig geworden. Über die Verschlusszeit von einer 4000tel Sekunde hatte ich mich zwar gewundert, aber nicht überrissen mal den Iso nachzusehen ^^ Aber trotzdem ist es ein schönes Bild geworden 🙂

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Die Lichtstimmung war durchaus schwierig, was aber auch etwas an der Uhrzeit lag… es heißt nicht umsonst „zwischen 11 und 3 hat der Fotograf frei“ noch dazu war der Himmel oft schon sehr ausgebrannt und da ich für das Objektiv noch nicht den vollständigen Filtersatz (Verlaufsfilter, Polfilter, etc) habe, musste ich hier gewaltig mit Photoshop und Lightroom arbeiten. Aber ich denke, auch hier habe ich einen ganz guten Schnitt erwischt 🙂

Endlich wieder im Ort angekommen schlenderten wir noch ein bisschen am Ufer entlang und genossen die Aussicht auf den schönen Schliersee. In der Mitte des Sees ist eine kleine Insel auf der auch eine kleine Gastwirtschaft ist. Für 6,- € (Stand 2018 lt. Schlierseeschifffahrt) kann man hier eine kleine Rundfahrt mit Zwischenstopp auf besagter Insel machen. Unser Ziel war eigentlich nur noch das Cafe Milchäusl, dieses ist aber aus allen Nähten geplatzt, da wohl alle anderen Caféhäuser Ruhetag hatten 😦
Somit begnügten wir uns mit einem kleinen Eisbecher beim Italiener. Vom Hocker gehauen hat uns dieser jetzt nicht, aber er war zufriedenstellend.

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Gesättigt, erschöpft und verschwitzt sind wir nun wieder ins Auto und sehnten uns nach unserer Dusche, die wir uns wirklich verdient hatten ^^

Fotos in Voller Auflösung wie immer auf FLICKR 

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