A Lonesome Place – Olympiastadion München

Hattet ihr das Gefühl auch schon einmal? Ihr wart an einem Ort, der eigentlich total belebt ist und an dem immer etwas los ist, aber ihr habt euch gefühlt als würdet ihr durch einen Geisterort schreiten?

So erging es mir gestern im Olympiastadion zu München. Auf meiner etwas längeren und ausgiebigeren Fototour durch München durfte natürlich der Olypark nicht fehlen.

Der Olympiapark München ist heute ein großes Veranstaltungs- und Erholungsgelände. Man kann hier spazieren gehen, Minigolf spielen, sich Tretboote mieten oder aber einfach nur sich auf einer der Zahlreichen Grünflächen die Sonne auf den Pelz brennen lassen. In den alten Veranstaltungshallen finden heute auch immer noch Großveranstaltungen, Ausstellungen oder ganz normaler Tagesbetrieb statt. Auch das SeaLife München hat hier seinen Standort gefunden. Da Außerdem das BMW-Hauptwerk direkt nebenan ist und das Gelände des BMW-Tower sowie die BMW-Welt angrenzen, ist im Olympiapark und seinen Nebenflächen stets was geboten.
Auch wir sind hin und wieder dort um ein Konzert zu besuchen (zuletzt erst Five Finger Death Punch), eine Ausstellung zu sehen (Star Wars) oder es findet im Sommer das „Kino am Olympiasee“ statt. Eine Freiluftleinwand auf der Mann neue Filme so wie ältere Blockbuster in gemütlichen Strandstühlen anschauen kann.
In den alten Spielerunterkünften wohnen heute ganz normale Menschen und die Münchner Sportvereine trainieren auf den Trainingsplätzen, Hallen und Regattabahnen.

Mein Weg führte mich, nachdem ich mir auf dem Olympiaturm fast ins Hemd gemacht habe. Sch… der ist aber auch hoch. Bin ich in Richtung Stadion gewandert.
Ich war schon oft hier. Aber heute war es irgendwie ganz besonders. Der noch nicht ganz erwachte Frühling und die Tatsache, dass natürlich viele arbeiten mussten, machte es möglich, dass ich fast ganz allein im Stadion war. Die eine oder andere Besichtigungstour und zwei Touristinnen (ich vermutete auf spanischer Herkunft) bahnten sich den Weg durch die Reihen.
Vor dem Stadion selbst stehen noch die alten Tickethäuschen, die heut zu Tage ja nicht mehr gebraucht werden. Lediglich die erste Reihe, direkt am Eingang sieht noch einigermaßen „hergerichtet“ aus.

Ich stand da und stellte mir die Menschenmassen vor, die damals die letzten heißbegehrten Tickets für die Olympiade erwarben. Im typischen Stil der 70er mit Fönwelle, großer Sonnenbrille und leichter Schlaghose mit Stiefeletten. Diese Euphorie, ohne die trüben Gedanken an das schreckliche Attentat.

Der Eintritt zur Besichtigung des Stadions kostet 3,50€ und ist meiner Meinung nach völlig in Ordnung. Im Stadion kann man sich relativ frei Bewegen. Natürlich sind die Katakomben und Betriebsräume verschlossen, dies hindert einen aber nicht sich an der Schönheit dieses Gebäudes zu ergötzen.

Auch hier merkt man, dass sich seit den Olympischen Spielen und erst recht seit dem Umzug der Fußballvereine in die Allianz-Arena nicht mehr viel getan hat.
Der ganze Olympiapark steht unter Denkmalschutz. Das heißt, wenn es hergerichtet wird, dann nur so wie es mal war.
Zur Leichtathletik-WM hat man einzig die Leichtathletik-Anlagen und die Bestuhlung im Stadion erneuert. Außerdem sind ein paar Stehplätze weggefallen, die ja nicht mehr gebraucht wurden, weil die Horden an Fußballfans nun in der Allianz-Arena jubeln.

Immer wieder sehe ich vor meinem inneren Auge Vereinzelt Kinder, die nach einem Eis quengeln oder einen Jubelnden Landsmann, der seinen Wahlathleten anfeuert.

Langsam streife ich durch die Sitzreihen und bahne mir meinen Weg.. Hier und da liegen Verpackungsreste von der letzten Veranstaltung Große Größen haben hier schon gespielt. Deutschland ist hier 1974 Fußball-Weltmeister geworden.
Die Rolling Stones, Micheal Jackson, Tina Turner und viele, viele andere Musikgrößen haben hier die Fans begeistert und tun dies auch heute noch.
Dieses Jahr sind alleine die Backstreet Boys, Bon Jovi, Sting und natürlich Phil Collins zu Gast in diesem Tempel.
Aber troztdem… der Geist des Vergangenen ist hier überall zugegen.

Unter der Mitte des Zeltdaches sind die Kommentatorenkanzeln. Die Äußere Hülle zeugt von der Zeit, aus de sie Stammen. Im inneren stehen zumindest neuere Röhrenmonitore.

Das letzte Fußballspiel war das 1120. Spiel im Müncher Olympiastadion. Nach 33 Jahren haben sich die beiden Heimvereine von diesem Stadion verabschiedet. Wenn man ganz leise ist, kann man hier immer noch den Stadionsprecher der Bayern Stephan Lehmann hören, wie er Die Bayern zur damals 19. Deutschen Meisterschaft ausruft.

Wie viele Tore und andere Informationen diese Anzeigetafel wohl schon verkündet hat? Man weiß es nicht. Aber die Stadionuhr funktioniert einwandfrei.

Ich beendete meinen Streifzug durch dieses ehrwürdige Stadion mit einem letzten Blick auf das Zentrum und verabschiedete mich zurück in meine Zeit.

6 Gedanken zu “A Lonesome Place – Olympiastadion München

    1. Ja der Olympiapark ist ein einziges Nest von Fotomotiven… Es war auch eher Zufall, dass ich mir das Stadion angeschaut hatte… Ich kannte es ja schon.. aber ich hatte Zeit und irgendwie stand ich an den alten Kassenhäuschen und fühlte mich in den Bann gezogen.
      Den alten Bahnhof kenn ich natürlich auch..

      Gefällt 1 Person

      1. Kleine Olyhalle, Große Olyhalle, Stadion, Schwimmhalle, Eissporthalle, Soccerhalle (weiß nicht was das früher war), Regattabahn .. eigentlich brauchst nen ganzen Tag dafür… Aber er ist im Frühling und im Sommer auch unglaublich einladend, sich einfach mit ner Decke auf die Wiese zu Pflanzen 😀

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