Berchtesgaden – Mein Problem mit der Geduld

Montag bin ich zum Abschluss meines Urlaubs noch einmal unterwegs gewesen. Mein Ziel war das langersehnte Berchtesgaden und der Sonnenaufgang am Hintersee.

4:30 Uhr klingelte der Wecker. Für mich kein Problem, normale Zeit. Kenn ich aus der Frühschicht.
Anziehen, waschen und ab ins Auto. Es sind immerhin gute 2 Stunden fahrt bis dort hin.
Einiges hatte ich mir vorgenommen. Was davon klappen sollte, wusste ich noch nicht. Ich kannte auch die Umgebungen noch nicht. Ich war bis jetzt immer nur am Königssee direkt. Ich wusste also nicht, wie lange läufst du vom Parkplatz bis zu den gewünschten Orten? Wo sind die genau? Wie ist die Location aufgebaut?
Ich habe grundlegend meine Erwartungen für den Tag nicht zu hoch gesteckt. Ich wollte auskundschaften und ausloten. Bestimmte Orte werde ich zu einer anderen Jahreszeit und zu einer anderen Tageszeit noch mal aufsuchen um gezielte Wunschkonstellationen zu verwirklichen. Bei der Durchsicht und Bearbeitung meiner Bilder sind mir viele Ideen gekommen.

Hinter Traunstein kam ich so langsam ins Berchtesgadener Land und als ich auf der Alpen-Ostsee-Straße dann Richtung Hintersee auf die alte Berchtesgadener-Straße gefahren bin, war ich zum ersten Mal froh um mein kleines Auto. Der Schnee liegt hier immer noch Hüfthoch an den Rändern und überall liegen Steinschläge an den Rändern.
In der Ramsau, dann noch einmal abbiegen und dann immer „gerade drauf zu“.. ja von wegen. Ich war so froh, dass es so verdammt früh war und mir keiner entgegen gekommen ist. Außerdem bin ich „Bergfest“. Serpentinenstraßen machen mir nichts aus. Höchstens meiner Möhre, aber die ist ganz brav da hoch getuckert.

Ankunft Hintersee: 6:50 Uhr. Parkplatz direkt am Ufer. Keine Menschenseele zu sehen. Also Rucksack und Stativ geschnappt und auf Locationsuche gegangen.
Hier hat mich meine Ungeduld zum ersten Mal gestraft. Ich wusste, wie die Location aussieht, aber nicht genau wo sie war. Ich fand sie auch direkt (Google Maps kann helfen), aber so 100%ig zufrieden war ich noch nicht. War allerdings auch zu „blind vor Ungeduld“ mal ein Stückchen weiter zu schauen, aber dazu später mehr.

Endlich tat sich was am Himmel. Die Wolken verfärbten sich Golden und ich konnte die Stille mit mir und dem Moment komplett genießen. Nur ein kleines Eichhörnchen schaute mal kurz vorbei ob es evtl. ne Nuss abgreifen konnte. Aber mein Futter hatte ich im Auto und somit musste ich das arme Ding leider vertrösten.

Mein größtes Problem: Angst den Richtigen Moment und die richtige Einstellung zu verpassen und deshalb oftmals wild drauf los zu knipsen. Somit habe ich alleine von dem Fleck bestimmt 250 Bilder mit Heim gebracht. Eigentlich kenne ich die Grundregeln, aber trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei.
Ich glaube das liegt noch sehr, sehr an meinem bisherigen Beruf. Schnell und zügig arbeiten, immer das Gefühl zu haben, nicht alles zu schaffen und deshalb „schnell, schnell“ Ich hatte mit der Fotografie angefangen um genau so ein Hobby zu haben, das mich zwingt langsamer zu machen. Aber immer schaff ich das noch nicht. Ich glaube, das ist auch noch ein langer Weg bis dahin.

Die Sonne stieg höher und ich hatte mich von meinem Plätzchen wegbewegt und wollte eigentlich schon Richtung Auto zurückgehen, als meine innere Stimme mir flüsterte „geh doch mal n Stückchen in den Wald rein„.
Manchmal ist mein Stimmchen gar ned so dumm. Da hab ich dann auch DEN Platz gefunden. Wenn ich morgens nicht das „Gefühl des Verpassens“ gehabt hätte, dann wäre ich wahrscheinlich direkt dort hin gegangen und wäre Bequemer gestanden als an dem Baumstumpf, an den ich mich gelehnt hatte.

Der Sonnenaufgang war farblich nicht so bunt, wie ich ihn mir erhofft hatte. Aber er war schön und ich konnte mir die Location genauer anschauen und nehme ihn vielleicht das nächste mal zum Sonnenuntergang mit. Jetzt weiß ich ja wo und wie 😉

Langsam ging ich zum Auto zurück und hielt kurz an der Bank. Dem Lieblingsplatz von Prinzregent Luitpold. Ich saß da und verstand, warum dies der Lieblingsplatz war. Diese Ruhe, dieser Frieden. Absolut verständlich.
Die Zeit der Kugel war gekommen. Auf solchen Erkundungstouren nehme ich gerne sämtliches „Gedöns“ mit um alles ausprobieren zu können. Bzw mir Ideen für weitere Besuche zu holen.
Und schon holte mich der Hektik-Teufel wieder ein. Noch nicht mal bewusst, aber Daheim bei der Bildbearbeitung hab ich gek****

Wenn ich ein bisschen genauer geschaut und kontrolliert hätte, dann hätte ich den riesigen Fleck vielleicht gesehen, der genau IN dem Baum der Spiegelung hängt und somit das gesamte Bild versaut.
Na ja, gespeichert fürs nächste Mal, wenn die Glaskugel zum Einsatz kommt.

Auf dem Weg zum Auto kam ich am Zulauf des Hintersees vorbei. ein kleines Bächlein, mit ein bisschen Stromschnelle. Also mal den ND-Filter drauf gepackt und mal geschaut. Hab schon ewig kein Wasser mehr mit Langzeitbelichtung abgelichtet.

Da wollte ich dann ranzoomen, weil mir der Ursprüngliche Bildausschnitt nicht gefiel (Hier habe ich es mir zurechtgeschnitten) und dann dies:

Ich war völlig verstört, fast Verzweifelt. Das ist nur beim Zoomen des Objektivs aufgetaucht. Ich konnte damit nichts anfangen. Noch nie gehabt. Ich dachte erst, es würde Licht durch das Filtergewinde kommen. Aber dann wäre das ja im Ungezoomten Zustand auch.
Abends kam mir dann der Geistesblitz. Die Kamera stand mit dem Rücken genau in die Sonne. Das Sucherokular war NICHT abgedeckt…. Na … kommt ihr mit?

Vom Hintersee aus ging es durch die Ramsau zurück. Natürlich habe ich halt an St. Sebastian gemacht. Beim letzten Mal, als ich da war, zog der Dunst auf und konnte nicht das Bild machen, was ich mir erwünscht hatte.

Immer noch ein hübsches Fleckchen Erde. Auch wenn ich früher immer dachte, dass das Kirchlein irgendwo einsam in der Wiese stehen müsste. Glaubt man eigentlich kaum.

Solangsam machte sich ein ungutes Gefühl in meiner Magengegend breit. HUNGER und ein bisschen Pipi.
In Berchtesgaden stellte ich mein Auto in die Tiefgarage und machte mich erst einmal auf Futtersuche. Solangsam wurde ich nämlich knurrig.

Gefüttert und mit Kaffee versorgt wollte ich eigentlich der Berchtesgadener Stiftskirche einen Besuch von Innen abstatten aber es wurde wohl geprobt und da wollte ich nicht stören.

Also machte ich mich erst einmal auf zu meinem nächsten Ziel: Dem Lockstein.
Ich wusste nur eines. Er ist mitten in der Stadt und er ist hoch. Vollgepackt wie ich war, ist der Weg auch gar nicht so einfach. Oben angekommen stellte ich alles bei Seite und genoss den unglaublichen Ausblick.

Der Watzmann noch hoch mit Schnee bedeckt, das Tal darunter. Erstmal das Zweite Frühstück genießen. Ich hatte mir noch was leckeres als Belohnung beim Bäcker mitgenommen. Ich steh ja so auf Plunderteilchen ^.^

Hier war ich entspannt und habe die Kugel viel bewusster eingesetzt und die Szene viel genauer betrachtet. Bei der Bildbearbeitung kam mir noch eine super Idee, die ich evtl beim nächsten Mal umsetzen kann, wenn ich die benötigten Materialien zusammen bekomme.

Vom Lockstein hinabgestiegen schaute ich mich um und überlegte. Eigentlich wollte ich Maria Gern erst zum Sonnenuntergang machen. Aber mein Körper sagte mir, dass ich das niemals durchhalte. Zumal man, wenn man alleine unterwegs ist, auch schneller müde wird. Also zog ich Richtung Auto und erklomm den Pass. Hier war ich abermals froh um meine Bergkenntnisse und um meine kleine Möhre. Die Kölner hinter mir mit ihrem Übergroßen SUV hatten nämlich ganz schön zu kämpfen auf den engen Straßen. Als die neben mir geparkt hatten war mir auch klar warum. Aber ich hüstelte nur in mich rein und dachte mir meinen Teil.

Die Parkplatzsituation bei Maria Gern war sehr interessant. P2 war einfach mal gar nicht vorhanden, weil da Hüfthoch der Schnee lag und die anderen Parkplätze waren von parkunfähigen Touristen mit den verschiedensten Kennzeichen blockiert.

Maria Gern war von Innen natürlich auch nicht zu besichtigen. Irgendwie hatte ich es heute mit geschlossenen Kirchen…. Aber ok. Jetzt ist Nebensaison, irgendwann müssen die das ja mal herrichten.

Liebevoll thront sie auf ihrem Hügel. Hier war ich mir mit der farbigen Gestaltung und Bearbeitung absolut nicht sicher. Ich stehe auf den gelblich-verblichenen Stil aber finde hier das Original (welches aus 3 Bildern besteht) auch schön. Was findet ihr denn?

Müde und kaputt machte ich mich wieder auf zum Auto um langsam den Heimweg anzutreten. So hatte ich noch die Chance vorm Hauptberufsverkehr zu sein. Ich hielt noch kurz an der Wimbachklamm, da ich wusste, dass sie nicht sonderlich groß ist. Diese war aber leider gesperrt. Was auch völlig in Ordnung war, aber leider erfuhr man das erst, nachdem man 5 € in den Parkscheinautomat geworfen hatte. Dies war sehr schade, man hätte an der Parkplatzeinfahrt oder an den Automaten ein Hinweisschild hinhängen können.

Da die Windbeutelgräfin Montags Ruhetag hat, hab ich nen Abstecher nach Traunstein gemacht. Die haben eine Wunderschöne Kirche im Ortskern und ich könnte mir dort noch wunderbar einen Kaffee trinken. Die Kirche war natürlich zu. Was auch sonst.
So beendete ich den Tag mit einem großen Eisbecher und vielen neuen Eindrücken und Ideen für weitere Touren ins Berchtesgadener Land.

6 Gedanken zu “Berchtesgaden – Mein Problem mit der Geduld

  1. also bei solchen traumhaften Fotos ( sind reif für einen Kalender ) hat man sich zum Schluss natürlich auch einen riesen Eisbecher verdient ! Ramsau mit der berühmten Kirche, ein Fotomotiv für jeden Bergkalender und ich glaub ich habe dieses Motiv schon hundertmal gesehen. Es ist auch auch wirklich sehenswert und bei deinem Wetter um so mehr ! Das mit der Klamm ist ärgerlich und 5.-Euro sind schon verpufft ! Trotz allem tolle Fotos und das mit der Kugel habe ich auch noch nicht 100%ig im im Griff. Wirklich sehr gelungener Ausflug und das aufstehen hat sich gelohnt !!!! Toll

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    1. Ja, die Ramsau ist natürlich ausgelutscht und jeder kennt sie, genau wie Maria Gern, aber sie gehören halt dazu… und da ich eh dran vorbei gefahren bin…
      Bei der Kugel überrascht mich immer wieder meine Hektik … ich weiß nicht warum. Aber wenn ich so zurückdenke wie hektisch ich noch vor einem Jahr war, denke ich dass ich das nach und nach in den Griff bekomme.
      Vor allem was mir bei der Bearbeitung der Bilder noch für Ideen gekommen sind… Mal sehen, wann ich was davon umsetzen kann. Sind halt doch immer 2 Stunden Anfahrt 🙂

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      1. also prinzipiell muss man bei Fotos machen doch ein wenig Ruhe haben. Hektisch ist nicht so gut und das Ergebniss sieht man zuhause am Computer. Die Displays an der Kameras sind dafür einfach zu klein um ins Detail zu gehen. Ich habe gestern einen Sonnenuntergang fotografiert und zuhause auch bei manchen erst gesehen dass die völlig daneben waren. Zum Glück macht man dann ja mehrere und dann geht das irgendwie. Gut ich war da 5 Minuten unterwegs und dann kann man das wiederholen jetzt bei 2 Std. geht das ja nicht so einfach !!

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    1. Danke dir 🙂 Ich zeige sie gerne, weil ich genau so Fehler mache, wie jeder Andere auch.. und als ich diese Grünen Linien im Bild gesehen habe, war ich ganz schön verdattert und konnte damit am Anfang nichts anfangen.. Ich hatte Wahnvorstellungen von Kaputten Sensoren und Objektiven.
      Warum soll ich also meine Fehler nicht teilen, wenn es anderen Hilft sie zu vermeiden 😀

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