Die erste Errungenschaft: Kampenwandgipfel

Lange, lange war es ruhig hier… Mein Projekt ist etwas eingeschlafen, weil ich genau auf diesem Abschnitt jetzt eine schöne große Baustelle habe, die für meinen Fluss ein bisschen hinderlich ist.

Aber letztes Wochenende habe ich mich aufgerafft, den Rucksack aufgeschnallt, die Wanderschuhe geschnürt und mich ins Auto geworfen. Ziel: Kampenwand.

Da ich konditionell noch nicht so gut aufgestellt bin, habe ich mir auf jeden Fall vorgenommen den ersten Teil mit der Gondelbahn auf mich zu nehmen, sonst wäre das nämlich eine Aktion für mehrere Tage geworden ^^
Ich darf halt das Asthma nicht unterschätzen und bevor ich ein Fall für die Bergwacht werde, habe ich mich auf die sicherere Seite gestellt.

ich bin direkt um 9 Uhr mit der ersten Gondel hinauf gefahren. Das Wetter war super. Ich war voll motiviert und voller Tatendrang. Gemütlich ging ich von der Bergstation in Richtung Sonnenalm und Steinlingalm. Mit dem Handy 1-2 Schnappschüsse geschossen und noch schnell via WhatsApp verschickt und weiter gings zum Andachtskreuz.

Am Kreuz wollte ich eigentlich ein schönes Bild von mir davor bzw. daneben machen. Aber an diesem Tag spielte bei mir die Technik verrückt. Ich weiß auch noch nicht woran es lag, auf jeden Fall ließ sich mein Handy nicht mehr bedienen. Ich zog es aus meiner Tasche und wollte das Display aktivieren, damit ich es mit der 80D verbinden konnte. Aber das Handy reagierte nicht mehr. Es war aus. Stutzig schaute ich mein Display wie 12 Fragezeichen an und versuchte es neu zu starten. Ich dachte zu erst, ich sei irgendwie auf den Powerknopf gekommen. Ist mir in der Arbeit schon 1-2 mal passiert. Als es aber beim Hochfahren im Ladebildschirm immer wieder abgestürzt ist, wurde ich etwas unruhig. Nicht nur, dass jetzt viele meiner Vorhaben ins Wasser fielen, ich war ja nun auch völlig unerreichbar für Jedermann.

Mit einem unruhigen Gefühl im Bauch machte ich mich weiter auf in Richtung Steinlingalm. Ich genoss die Aussicht auf das Chiemgau.

Kurz vor der Steinlingalm fand sich eine kleine Ansammlung unserer berühmten Bayerischen Killerkühe. Mordgefährliche Tiere …
Naja.. Wenn man natürlich so absolut dämlich im Kopf ist, diesen Tieren zu nahe rücken zu wollen und dabei evtl noch Kälber im Spiel sind, tut mir leid… dann sind die Leute da selbst dran schuld! Kühe sind so geruhsame und freundliche Tiere, die einfach nur zufrieden gelassen werden wollen und ihren Nachwuchs beschützen, wenn sie das Gefühl bekommen, dass sie es müssten.
Fasst euch mal an die eigene Nase, wenn ihr vermutet, dass euer Kind bedroht wird, werdet ihr gewiss auch zur Furie!

Langsam und ruhig ging ich an den Tieren vorbei und eine der Damen schenkte mir sogar ein wahnsinnig tolles Lächeln in meine Kamera 😀

Ich hatte leider noch die verkehrte Blende eingestellt, weil ich mich zuvor an einem anderen Motiv versucht habe und somit ist die Dame natürlich nicht freigestellt. aber trotzdem find ich sie zucker 🙂

Kurz hinter der Steinlingalm rastete ich kurz und schaute mir mein Vorhaben ein bisschen genauer an….

„Ist ja gar ned so schlimm“ … waren meine ersten Gedanken, als mich mir das Schauspiel von unten betrachtete… Es geht also da mittig rechts, das Geröll hinauf um dann oben zwischen den Gipfeln durch die Felsen zu spazieren und dann zum Gipfelkreuz zu gehen.

Diese Meinung sollte ich schnell ändern ^^
So schlug ich mich nun das Geröll hinauf. Ich unterschätzte das ganz gewaltig. Zumal ich ja auch noch den dicken Fotorucksack auf meinem Rücken hatte. Er sieht zwar nicht so aus… aber das gute Stück wiegt, wenn ich alleine mit Stativ und Verpflegung unterwegs bin gute 14 Kg.

Je höher ich kam um so böser wurden meine Vorahnungen was mich erwartete. Ich hatte mir das zwar über den Wanderführer durchgelesen, dass es ein bisschen Anspruchsvoller ist, aber ich hab mir auch gedacht, wenn da die Flachlandtouristen und kleinen Kinder hochkommen, dann schaff ich das auch.

Höhenmeter für Höhenmeter stapfte ich das Geröllbett hinauf. Alle paar Meter eine Pause, da meine Luftprobleme doch etwas Aufmerksamkeit brauchten. Aber ich hatte ja Zeit. Ich wurde immer wieder von einzelnen Aufsteigenden überholt, was mir aber nur knapp die Hälfte machte, weil ich ja erst um 18 Uhr wieder an der Gondel sein musste.

Nachdem ich das Geröllbett hinter mir gelassen hatte, setzte ich mich auf ein Stückchen Erde direkt unter den Gipfelfelsen und schaute mich um. Von unten drang Gesang hinauf. Der Gottesdienst hatte sich an der Kapelle versammelt und die Stimmen der Menschen flogen zu uns hinauf. Ich saß bestimmt 10 Minuten einfach nur da und schaute auf den See hinunter. Die Schiffe, die in Richtung der Inseln fuhren und die vielen Segelboote, die sacht über den Chiemsee glitten.

Hinter mir ging das erste „Kletterstück“ in Richtung Gipfel los. Ein bisschen mulmig war mir schon zu mute… Ich hab sowas ja noch nie gemacht. Aber ich schlug mich ganz gut. Es gestaltete sich nur als schwierig, da einige der Felsen schon richtig glatt getreten waren. Der Massentourismus macht sich halt auch hier oben auf 1600m bemerkbar.

Immer wieder blieb ich stehen und ließ mich überholen um Gelegenheiten zu bekommen zuzuschauen, wie und wo die Anderen treten. Wie eine Bergziege hangelte ich mich an den Felsen hinauf und freute mich tierisch, das schlimmste wohl nun hinter mir zu haben, drehte mich um … und wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte… ^^

Zwischen den Gipfelfelsen, schlängelte sich ein netter kleiner Pfad entlang…

Ich zog mich an den Metallstiegen hinauf zwängte mich zwischen großen Felsen durch und stapfte etwas erschöpft immer weiter in Richtung Gipfelkreuz. Verlaufen konnte man sich eigentlich nicht, da die Wege gut markiert waren.

Der kleine Pfeil am Gestein weiste den Weg durch die Steine hindurch. Von weitem hätte man es sonst kaum gesehen, dass es da rein geht. Und wieder musste ich über Gesteinsbrocken klettern und mich hochziehen. So langsam nahmen es mir meine Oberschenkelmuskeln doch etwas übel ^^

Zwischendurch traf ich immer wieder auf Personen, die mich zuvor überholt hatten und schon wieder auf dem Rückweg waren. Sie machten mir Mut mit Sätzen wie „So weit isses nimmer“ .. ich konterete dann, dass ich genau den selben Satz schon mal vor 20 Minuten gehört hätte und mich das nun irgendwie doch nicht mehr beruhigt ^^

Dann sah ich es endlich vor mir: Das Gipfelkreuz!

Von dieser Position aus konnte man nur noch nicht erkennen, wie man denn nun dort hin kommt. War auch besser so ^^

Unterm Gipfelkreuz ist ein kleines Plateau, welches sich wunderbar als letzter Durchschnaufpunkt vor dem Ende eignet. Dies tat ich auch. Da ich nämlich gesehen habe, wo ich als nächsten durch musste und ich noch nicht so genau wusste, wie ich das anstellen sollte…

Ihr könnt euch weiter oben an das Bild vom Gipfel erinnern.. JAPP genau da muss ich mich an diesem sehr vertrauenerweckenden Stahlseil langziehen… Es sieht von oben durchaus grauenhafter aus, als es von unten den Anschein hat.
Ich pausierte erstmal weiter… da mein Stativ ja unbrauchbar war, da mein Handy nicht funktionierte, bat ich einen Herrn um Hilfe und stellte ihm meine 80D auf Automatikmodus.

Der Blick aufs Kaisergebirge ist halt wirklich gigantisch.

Mit mir auf dieser Plattform war ein Leidensgenosse. Er hatte Probleme mit der Höhe und wusste auch nicht so recht, wie er das Seil hinunter kommen sollte.
Irgendwann fasste ich mir ans Herz und fing an mich an diesem Seil entlangzuhangeln. Ich klammerte mich mit allem was ich hatte an diesem Seil fest, weil hinter mir gings abwärts… weit abwärts…
Beim letzten großen Schritt geriet ich in Probleme. Ich wusste nicht wo ich hintreten sollte.. Also setzte ich mich auf meinen Hintern und ließ mir die Hand von einem anderen Mitwanderer reichen.
Das war auch überhaupt kein Problem. Jeder half Jedem auf dem Berg.
Beim letzten Stück über den Gipfelgrat war auch jemand so freundlich mir zu zeigen wo ich treten konnte und zog mich das letzte Stück aufs Metallgatter, welches zum Kreuz führte.

Einen kräftigen Handschlag auf das Kreuz und dann erstmal setzen und die Aussicht genießen!
Mein Mit-Leidensgenosse hat es auch geschafft und war sichtlich glücklich und stolz über seinen Erfolg.

So bat ich auch hier um ein Foto von mir. So oft ist man ja nicht am Gipfelkreuz ^^ und da ja mein Lebensgefährte nicht mit war musste mein Mit-Leidensgenosse herhalten. Hat er aber echt gut gemacht 😀

Den Abstieg meisterten wir zusammen. Wo ich mir dann auch fast die Rippen gebrochen hätte, da ich auf dem weiter unten gelegenen Schotterstück den halt verloren habe, bzw. der Schotter unter mir weggerutscht ist und ich fast mit dem Rippenbogen auf einen ziemlich Spitz zulaufenden Felsbrocken gefallen wäre. Geistesabwesend wie ich nun mal immer bin, hielt ich aber komischerweise meine Hände direkt in Dreiecksformation vor meine Brust und fing mich so ganz gut ab.
Das Knie etwas lädiert, aber alles halb so wild. Der Muskelkater den ich die nächsten Tage haben sollte, war wesentlich erwähnenswerter als die 3 Kratzer ^^

Lebendig und sicher unten angekommen gingen wir noch was trinken, bevor wir uns auf den Weg zur Gondel machten.

Und wer von euch bis hier hin durch gehalten hat, bekommt jetzt die Kofferwaage zu sehen, wie sie an meinem Rucksack hängt. In Etwa so gepackt, wie an dem Tag zur Kampenwand ^^

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